Der Trompeter von Säckingen
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Scheffel, der Student

"Statt dass ich in römische Rechte
Meinen Geist versenke,
Schlag ich zu mein corpus juris
Und geh in die Schenke."

Diese Zeilen aus Scheffels Gedicht "So studiert man in Heidelberg" verleiten zum Vorurteil, der Dichter hätte seine Studienzeit in Kneipen verbummelt. Aber auch wenn das Trinken zu seinen Lieblingsmotiven gehörte, blieb Joseph Victors "corpus juris" (Gesetzbuch) meistens aufgeschlagen.
Neben den juristischen Vorlesungen belegte er auch solche Fächer, die seinen künstlerischen und literarischen Neigungen entsprachen:

1843/44
München: juristische Kollegs, Geschichte, Archäologie, Ästhetik, Kunstgeschichte, Philosophie, Nationalökonomie

1844/45
Heidelberg: Privatrecht, Kriminalrecht, Lehnrecht, Zivilprozess

1845/46
Berlin: juristische Kollegs, Kriminalpsychologie, Gerichtsmedizin, Kunstgeschichte, Shakespeare-Vorlesung

1846/47
Heidelberg: Zivilprozess Code Napoléon, badisches Landrecht

Scheffel als Student
Bild 9
Scheffel als Student, porträtiert 1847
von N. Heinemann

Im März 1847 hatte Scheffel, nach einer mündlichen Prüfung in den Fächern römische Rechtsgeschichte sowie kanonisches und deutsches Recht, den Doktortitel erworben.

"Verbindung, Verbindung, -
Es kann nicht anders sein,
In Heidelberg, in Heidelberg
Verbindungen müssen sein."

So hat Joseph Victor im "Schwanengesang" über das Studentenleben gedichtet. Aber Scheffels Verhältnis zu den studentischen Verbindungen bestimmten die geistigen Interessen. Er und seine engsten Freunde fanden die Heidelberger Burschenschaft "Teutonia" als "verbummelt, aus ganz verschiedenen Elementen zusammengesetzt".
Ihn störten die rauhen Sitten und die Trinkerei, daher setzte er sich für die Reform der Burschenschaften ein. Doch die "Teutonia" lehnte seine Vorschläge ab. Daraufhin trat Joseph Victor der "Frankonia" bei.
Neben dem Studium nahm Scheffel Zeichenunterricht und skizzierte fleißig, besonders auf den Wanderungen. Mit den Studienfreunden führte er geistvolle Dispute über Kunst und Literatur. Die dadurch gewonnenen Einsichten befruchteten seine dichterische Phantasie.

Auch wenn Scheffel die "Juristerei" nie gemocht hatte: die erworbene Allgemeinbildung und die Teilnahme am geistigen Leben in den Universitätsstädten schufen die Voraussetzungen für den literarischen Erfolg in den reiferen Jahren.

Sitten-Zeugnis der Universität München
Bild 10
Im Sitten-Zeugnis der Universität München
vom 23. August 1844 wurde Scheffel ein
tadelloses Betragen bescheinigt.

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