Der Trompeter von Säckingen
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Wandern und Zeichnen

"Mein ganz Geräte auf der Fahrt
Sei Wanderstab und Hut;
So zieh' ich in die Welt hinaus
Mit leichtem Geld und Mut."

Joseph Victor von Scheffel erlangte einen enormen Ruhm als Dichter. Er hinterließ ein umfangreiches literarisches Werk. Aber er wollte nicht "nur" als Dichter leben: seine Leidenschaften hießen Wandern und Zeichnen. In den "Lieder eines fahrenden Schülers" nannte Joseph Viktor den Wanderstock und den Hut als "mein ganz Geräte". Doch er nahm immer seine unverzichtbaren Wandergeräte mit: das Skizzenbuch und den Stift.

Scheffel in Wanderkleidung
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Scheffel in Wanderkleidung, um 1864

Was der "fahrende Schüler" zu sehen bekam, dokumentieren dessen Zeichnungen und Skizzen. Es sind Landschaften, Bäume, Burgen, Schlösser und Klöster in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und in der Schweiz.

Schon als Kind erkundete Joseph Viktor zusammen mit dem Vater die Karlsruher Umgebung. Ausgedehnte Wanderungen und Reisen unternahm er während der Studienzeit und machte sich vertraut mit den Landschaften um Heidelberg, Berlin und München.

Die Wanderfahrt des Studenten Scheffel von Heidelberg nach Berlin im Herbst 1845 dauerte drei Wochen. Sie begann am 20. September und führte zunächst über dem Odenwald nach Würzburg. Mit einer Postkutsche ging es weiter nach Bamberg und von dort aus mit der Eisenbahn nach Nürnberg. Die Strecke Nürnberg - Bayreuth - Jena wurde teilweise zu Fuß bewältigt. Jena diente als Ausgangspunkt für Ausflüge ins Thüringische. Von Jena nach Halle reiste Joseph Victor in einer Kutsche, von Halle nach Berlin im Zug.

Scheffel als Wanderer am Hohentwiel
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Scheffel als Wanderer am Hohentwiel.
Zeichnung von Anton von Werner, 1882

Zu Scheffels beliebtesten Wanderzielen gehörten der Odenwald, der Schwarzwald, die Bodenseeregion sowie der Hegau. Den Hochrhein und den Hotzenwald hatte er in den Jahren 1850/51 gründlich kennen gelernt. Immer wieder gab es Aufenthalte in der Schweiz.

Auf Wanderungen und Reisen ließen sich die Motive in Hülle und Fülle finden, das zeichnerische Können erwarb Joseph Victor in jahrelanger Übung und Ausbildung. Darin erwies er sich als außerordentlich fleißig. Der erwachsene Joseph Victor nahm Zeichenunterricht während der Studienzeit in Heidelberg und in München sowie 1852/53 in Italien. Auch die Umgebung in der er aufwuchs, insbesondere die Künstlertreffs im elterlichen Hause, Stephaniestraße in Karlsruhe, haben die kreative Seele beflügelt. Dieser Einfluss kam nicht nur von der Mutter und von der Schwester. Das erste Vorbild war sein Vater, der zeichnende Ingenieur und Oberbaurat.

Mit regelmäßigem Zeichenunterricht begann Joseph Victor im Alter von acht Jahren und lernte zunächst, Kupferstiche und Lithographien nachzuzeichnen. Danach durfte der Schüler seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen: wandernd in der Natur zeichnen. Insgesamt hatte Scheffel einige hundert Zeichnungen sowie eine ganze Reihe von Skizzen angefertigt. Davon besitzt heute die Literarische Gesellschaft / Scheffelbund in Karlsruhe etwa 300 Blätter und 22 Skizzenbücher.

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