Der Trompeter von Säckingen
deutsch  english
Startseite > Scheffel & Trompeter > Scheffels Biographie > Scheffel, der Staatsdiener

Der Staatsdiener

"Allmächtiger Vater, schenk doch den Amtsherrn einen besseren Verstand, dass sie die bürgerliche Rechtspflege besser führen."

Nach der 1848 bestandenen Staatsprüfung wurde Scheffel zum Rechtspraktikanten ernannt und konnte Ende des gleichen Jahres seinen Dienst am Oberamt Heidelberg antreten. Von April bis Dezember 1849 wirkte er am Landamt Karlsruhe, von Januar 1850 bis August 1851 am Bezirksamt Säckingen und von Dezember 1851 bis Mai 1852 am Hofgericht Bruchsal.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere im Dienste des Großherzogtums Baden waren gegeben. Der Vater, Ingenieur und Oberbaurat, genoss einen guten Ruf, galt als zuverlässig und verfügte über wichtige Beziehungen. Der Sohn hatte seine Fähigkeiten bewiesen, was ihm Vorgesetzten bestätigt haben.

Der Vorstand des Oberamtes Heidelberg erteilte Joseph Victor "mit Vergnügen" das Zeugnis, dass er sich durch "Fleiß und praktische Gewandtheit rühmlich ausgezeichnet hat".

In Säckingen schwärmte der Oberamtmann Leiber:

"Die grundlegenden Kenntnisse, die gediegene Bildung, der große Fleiß und Eifer... die praktische Anschauung, die vortreffliche Anwendungsgabe sichern dem jungen Geschäftsmanne unsere vollkommenste Zufriedenheit."

Der Präsident des Hofgerichts Bruchsal stellte fest, Scheffel hatte sich "... sowohl hinsichtlich des Fleißes als auch hinsichtlich des Talents und der Kenntnisse im hohen Grade wahrhaft ausgezeichnet".

Während der Säckinger Zeit 1850/51 bereiste Scheffel dienstlich den Hotzenwald, um polizeiliche Untersuchungen durchzuführen. Seine Eindrücke darüber findet man in den Briefen an die Eltern und dem Buch Reisebilder. Obwohl diese "Reportagen" an mehreren Stellen sehr humorvoll sind, darf man sie nicht als heiterere Geschichten verallgemeinern. Der aus bürgerlichen Verhältnissen stammende Joseph Victor hatte hier seine soziale Sensibilität zum Ausdruck gebracht. Die Not der Hotzenwälder bedrückte ihn und als Bediensteter des Bezirksamtes war er mit der Massenauswanderung konfrontiert: "Bis Ende Mai werden gegen 400 Personen aus dem Kirchspiel Herrischried nach Amerika spediert", schrieb der Rechtspraktikant am 12. April 1851.

Weiter: Scheffel in Säckingen