Der Trompeter von Säckingen
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Anton von Werner - der Freund des Dichters

"Es kann keine idealere Freundschaft geben."

Anton von Werner (1843-1915) ist in Frankfurt/Oder auf die Welt gekommen. Nach dreijähriger Lehre als Stubenmaler begann er sein Malerstudium an der Akademie in Berlin und wechselte 1862 auf die Karlsruher Akademie.
Noch im gleichen Jahr kam es hier, "in der vornehmen Stephaniestraße No. 18", zur Begegnung mit Scheffel. Werners Eindruck von Scheffel war angenehm.

"... die mit natürlicher Bescheidenheit gepaarte wohltuende Offenheit seines Wesens verliehen seiner Erscheinung etwas äußert sympathisches."

Anton von Werner in seinem Karlsruher Atelier
Bild 25
Anton von Werner in seinem Karlsruher
Atelier, 1866

An jenem Tage begann die 24jährige Freundschaft zwischen dem Dichter und dem Maler. Die ersten Arbeiten Anton von Werners für Scheffel entstanden bereits 1863, es waren die Illustrationen zu dem Buch Frau Aventiure. Als nächste folgten die Zeichnungen zu den Bücher Juniperus, Gaudeamus und Bergpsalmen.
Die Bebilderung wurde sorgfältig vorbereitet. Der Dichter versorgte seinen Freund mit Informationen und Materialien, die Details hatte man gemeinsam besprochen. Öfter begaben sie sich gemeinsam auf Studienfahrten und Wanderungen, um die Orte der Handlungen zu besichtigen.

Im Sommer 1868 fand ein Treffen in Säckingen statt. Nur in wenigen Tagen hatte Werner 27 Bleistiftskizzen angefertigt, die er als Vorlagen für die illustrierte Prachtausgabe des Trompeter von Säckingen verwenden konnte. Die restlichen Trompeter-Motive zeichnete er während seiner Italienreise 1868/69.
In Säckingen wurden Scheffel und sein Freund "mit herzlichsten Gastfreundschaft empfangen". An diesen Besuch erinnerte sich Anton von Werner:

"An einer alten Kirchhofmauer fand ich den Grabstein von Werner Kirchhofer und Margarethe von Schönau und zeichnete ihn. Ein alter Seiler, der in der Nähe seine Seile spann, war darauf aufmerksam geworden, näherte sich und erzählte mir die ganze Geschichte vom Trompeter, als ob er sie selbst miterlebt hätte. Scheffels Dichtung war den Leuten Wahrheit geworden und in Fleisch und Blut übergangen".

Über seine Freundschaft mit Anton von Werner meinte Scheffel: "Es kann keine idealere geben", obwohl der Dichter und der Maler so unterschiedliche Persönlichkeiten waren.
Joseph Victor von Scheffel, bescheiden und zurückhaltend, fühlte sich frei in der Natur und auf der Wanderschaft mit Skizzenblock in der Tasche. Salons und elitäre Zirkel imponierten ihm nicht. Joseph Victors Zurückhaltung ging so weit, dass er sogar die öffentlichen Feiern anlässlich seines 50. und 60. Geburtstags verabscheute. Als Badener hegte er Abneigung gegen Preußen und gegen die Reichsgründung von 1871. Ihm schwebte ein süddeutscher Staatenbund in Anlehnung an die Schweiz vor.

Anton von Werner im Jahr 1900
Bild 27
Anton von Werner im Jahr 1900

Anton von Werner suchte geradezu die Nähe der Mächtigen. Er porträtierte die kaiserliche Familie und schuf mehrere Bilder des deutsch-französischen Krieges von 1870/71. Werners Begeisterung für die Reichsgründung spiegeln mehrere Fassungen der Proklamation des Deutschen Kaiserreichs in Versailles wider. Die politische und gesellschaftliche Ordnung des Deutschen Kaiserreichs akzeptierte Anton von Werner ohne Wenn und Aber und wusste daraus Vorteile zu ziehen. 1871 ließ sich der Maler in Berlin nieder. 1875 wurde er zum Direktor der Berliner Akademie ernannt, 1877 übernahm er den Vorsitz des Vereins Berliner Künstler und der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft.

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